Mein Schreibtagebuch: Noch 280 Tage und 196 Seiten!

webster 26. Januar 2012

Rein rechnerisch ist es wirklich überhaupt kein Problem, jeden Tag 1,34 Seiten zu schreiben. Das werde ich doch hinbekommen. Aber eben die Störfaktoren! Therapeutisch gesehen wird mir jeder sofort sagen, Du suchst geradezu Störfaktoren, damit Du nicht schreiben musst. Nein, nein, werde ich antworten, ich will schreiben, aber es gibt eben diese Störfaktoren… Naja, ihr kennt das, so eine Aussage ist en gefundenes Fressen für jeden Therapeuten, der darin sofort ungute Mechanismen entdeckt, von denen ich mich befreien sollte…

Also heute habe ich mich befreit. Zählt Lesen eigentlich auch zum Arbeiten am Buch? Muss ich mal meine Lektorin fragen, die ich morgen kennenlernen werde. Am Telefon klang sie sehr nett. Das wiederholte Lesen von 88 Seiten macht übrigens nicht immer Spaß, selbst wenn es meine Seiten sind. Aber ich muss ordnen. Ich gehöre ja zu den Vielschreiberinnen. Ich sitze nie nagelkauend vor einem leeren Bildschirm, er füllt sich sofort. Wie von selbst. Es schreibt sich so weg. Und dann kann es passieren, dass mich ein Thema so anregt, dass plötzlich 5 Seiten damit gefüllt sind, obwohl ich genau zu diesem Thema nur einen kurzen Absatz schreiben wollte. Ich habe doch nur Platz für 300 Seiten!

Jetzt muss ich also zunächst noch einmal alles lesen und Schwerpunkte setzen. Furchtbar. Und besser strukturieren. Auch furchtbar. Und etwas kürzen! Meine eigenen Worte wegwerfen! Schrecklich. Und in dieser Zeit hätte ich doch schon wieder so viel schreiben können! Irgendwie erinnert mich das ans Stricken. Ich stricke gerne Schals, meine Familie guckt schon genervt, wenn ich wieder einmal frage, ob nicht doch jemand noch einen schal braucht, denn irgendwann müsse der Winter doch kommen. Zurück zum Thema: Der Schal strickt sich in Patentmuster einfach so weg. Aber dann: Fäden vernähen – wieder furchtbar. Oder bei einem Pullover: Es strickt sich so weg. Aber dann: Gucken, was zusammenpasst, evtl. wieder auftrennen und neu stricken, zusammen nähen, anprobieren, wieder auftrennen…

Ihr versteht. Heute geht es also ans anpassen. Aber vielleicht bleibt mir doch ein klein wenig Zeit zum Stricken, ähm…, ich meine zum Schreiben. Und erfreulicherweise habe ich gute Freundinnen, die furchtbar gerne auftrennen, mir Hinweise fürs neu zusammenpassen etc. geben.

Zum Schluss noch ein Buchhinweis: Bill Clegg – Portrait eines Süchtigen als junger Mann, S. Fischer, 2010.  Man beachte übrigens den Verlag! Ein sehr guter Verlag, in dem auch mein Buch erscheinen wird.

Quelle: Amazon

Gut geschrieben, erschrecken, aber interessant.

 

Zu Bundespräsident Wulff: Es ist etwas Schreckliches passiert!

Berg-Peer Janine 19. Januar 2012

Ich wollte dazu wirklich nichts mehr sagen. Alles Schlimme, alles Banale, alles Witzige wurde bereits gesagt. Ich könnte nur etwas plagiieren und das wollen wir ja heute alle nicht mehr.

Aber es ist etwas Schreckliches passiert. Es ist mir sehr unangenehm und ich hatte nie gedacht, dass mir so etwas passieren könnte. Aber es ist passiert: Bundespräsident Wulff tut mir leid!

Es ist alles so armeselig. Das Häuschen (früher hätten wir das der petty bourgeoisie zugeordnet!). der Upgrade. Mein Gott. Der Zuschuss von € 200 zum Hotel. Heaven! Vielleicht hat einer seiner Gönner ihm in München sogar das Würstel mit Senf auf der Strasse finanziert. Vorfinanziert natürlich, denn die Wulffs wollen das ja alles refinanzieren.

Nicht mal Skandale schaffen wir in Deutschland mit Stil.

Mehr sage ich nicht, ich schäme mich auch, nein, nicht für Wulff, für mich und mein Mitleid. Aber wir wollen ja ab sofort alle immer die Wahrheit sagen.

 

Schreiben macht doch keine Arbeit – aber Störfaktoren ausstellen!

Berg-Peer Janine 8. Januar 2012

Nun sind es noch 297 Tage, es geht also voran. Und wenn man erst mal angefangen hat, dann geht es wunderbar weiter. 15 Seiten in zwei Tagen ist nicht schlecht, oder?

Aber ich muss lernen, mit den Störfaktoren umzugehen. Ein Störfaktor kann zum Beispiel fehlende Milch sein. Ich trinke meinen Espresso einfach nicht gern ohne Milch. Nein, nicht italienisch schick aufgeschäumt, einfach kalte Milch, damit der Doppelte sogleich mundwarm ist und in einem Schluck hinuntergespült werden kann.

Störfaktoren können auch süße Enkeltöchter sein, die Hinweise für eine Arbeit über Effie Briest brauchen. Weitere Störfaktoren sind Kater, die sich quiekend  anfauchen und damit darauf hinweisen, dass sie sich vernachlässigt fühlen. Freundinnen, die Kaffeetrinken gehen wollen, schöne Filme aus der Videothek oder auch der eigene Hunger können sich zu Störfaktoren auswirken.

Eigentlich alles. Jetzt verstehe ich, warum die richtigen Schriftsteller (ich bitte, meine Bescheidenheit anzumerken!) eine süßes, ganz einfaches Häuschen in der Toskana, in Irland oder im Périgord haben. Da werde sie nicht abgelenkt, denn alles das, was mich hier ablenkt, räumt dort  leise und unbemerkt eine zauberhafte weibliche Person aus dem Wege, ohne sich zu beklagen. Sie tut es gerne. Er braucht es einfach.

Wie gerne würde ich mit Alice B. Toklas jetzt sofort aufbrechen, um mich mit ihr in der Nähe von Toledo niederzulassen, wo sie einen rührenden José anweist, mir Gazpacho zuzubereiten. Ich kenne alle wunderbaren Rezepte aus dem Buch von Alice Truomg “Das Buch vom Salz”, in dem sie das Leben des vietnamesischen Kochs von Gertrude Stein und Alice B. Toklas beschreibt.

Quelle: Amazon

Quelle: Amazon

Ich werde so leider nicht schreiben können, aber ich kann mich an diesem wundervollen Text erfreuen. Und leider wird mir auch keine Alice B. Toklas zur Seite stehen.

Aber ich bin eben nicht Gertrude Stein. Leider.

Aber ich schreibe weiter. Wenn man anfängt, dann schreibt es sich so weg. Man mag gar nicht aufhören. Und 300 Seiten minus 82 Seiten sind nur noch 218 Seiten. Nur damit ihr nicht den Überblick verliert.

Und jetzt gibt es wieder einen Störfaktor: Ich muss sofort das Buch vom Salz hervorkramen und heute Abend lesen.

Der Countdown läuft: Noch 299 Tage: Dann muss das neue Buch fertig sein!

Berg-Peer Janine 7. Januar 2012

Es klingt ja nach viel Zeit, aber auch 299 Tage können wie im Flug vergehen. Und wenn dann mal so ein Tag kommt, so wie heute, an dem die schriftstellerische Lust ein bisschen auf sich warten lässt, dann ist eine kleine Excel-Tabelle  mit den noch übrigen Tagen eine schöne Abwechslung. Heute, also an Tag 299, war so ein Tag. Ich weiß, es gibt Menschen, die zur Entspannung und aus Freude nicht zu Excel-Tabellen greifen, aber ich kann das nicht verstehen. Excel-Tabellen geben mir so ein Gefühl von Ordnung und Struktur. Und dann kann ich mich auch noch designerisch austoben: Farbig hinterlegen, Wochenenden optisch hervorheben, Meilensteine einfügen, Zeit fürs Korrekturlesen vorsehen und an strategisch wichtigen Tagen auch noch Kommentare einfügen, z. B. “Nun aber, Janine”! oder “Schließe sofort das Excel-Programm!” oder gar “Janine, willst Du wirklich Deine Agentin und Deine Lektorin traurig machen?”

Vor allem Letzteres wirkt, ich bin ein bisschen emotional. Manchmal.

Und nun habe ich mich für heute genug abgelenkt (Excel-Tabelle gebastelt, Waschmaschine gestartet, Textchen im Blog geschrieben und Aldi-Steinpilzravioli von Aldi aufgewärmt). Es bleibt leider wirklich nichts mehr zu tun.

Jetzt wird geschrieben. Morgen berichte ich, wie viele Seiten ich heute geschafft habe. Ihr seid ja bestimmt neugierig. Übrigens: Ich habe schon 67 Seiten, die mir gut gefallen. Und weitere 134 Seiten, die überarbeitet werden müssen. Oder wieder gelöscht. 299 minus 67 = 232 Seiten.

Ha, ich werde noch ganz viel Zeit für Excel-Tabellen haben!

 

Kassenärztliche Vereinigung schenkt Kassenpatienten Kindle!

Berg-Peer Janine 3. Januar 2012

Moderne Zeiten verlangen moderne Vorgehensweisen. Gerade erfuhr ich, dass die kassenärztliche Vereinigung jetzt allen Kassenpatienten zum neuen Jahr ein Kindle schenkt. Hintergrund ist der zunehmende Unmut vieler Kassenpatienten über die ewig langen Wartezeiten in überfüllten Wartezimmern. Mit diesem Geschenk sollen Kassenpatienten beruhigt werden. Die Kosten dafür werden allerdings vom Budget der Ärzte abgezogen, aber diese sind einverstanden, weil es ihnen 1.) weniger genervte Patienten einbringt und 2.) sie das geringere Budget mit noch weniger Zeit für ihre Patienten kompensieren. Den Patienten fällt es nicht auf, weil sie sich an den kostenlos herunter geladenen Klassikern erfreuen oder sich im Wartezimmer gegenseitig Ratschläge geben können.

Nein, gucken Sie mal, das ist kein Touchscreeen. Da können Sie nicht mit ihren Fingern drauf herumfummeln, da bewegt sich nichts. Da müssen Sie … Schon beginnt die schönest Kommunikation.

Ja aber meine Enkel, die fidschen immer mit ihren Fingern so ganz schnell auf ihrem kleinen Dingsda, also diesem I-irgendwas, wie heißt das noch, da können die sogar gucken, wie die Hauptstadt von Deutschland heißt Viele wissen das ja gar nicht mehr.” Kopfnicken (wir befinden und bei einem Internisten, der bekanntlich immer die etwas älteren Semester hat). Früher, finden wir alle, war ohnehin alles viel besser.

Ja, sagt der Besserwisser (natürlich ein Mann in den 80ern), das ist aber hier kein Smartphone, sondern ein Kindle. Damit kann man Bücher lesen.

Bücher? Auch diese Zeitschriften? Das fände ich gut, sagt eine rüstige 75jährige. Die Frau dahinten hat sich nämlich alle Frau im Bild genommen, das finde ich nicht gut, die hatte ich noch nicht gelesen, da ist doch die Frau von diesem  Guttenberg…. Kann man die auch auf diesem, wieheißtdasnoch…? Auch so schön bunt?

Nein, sagt jetzt ein kerngesund aussehender 50er. Bunt nicht, aber das liegt daran, dass eben die Amerikaner und das Großkapital versuchen, uns durch geschickte Werbung an einen großen Konzern zu binden, Amazon eben, und deshalb jetzt auch diesen EReader ganz billig oder sogar kostenlos auf den Markt werfen..

Werfen? fragt die 80jährige erschrocken. Geht das denn nicht kaputt? Mein Seniorenhandy ist mir neulich runtergefallen, also da konnte ich dann die AWO gar nicht mehr anrufen, der Knopf funktionierte nicht mehr, aber da kam dieser nette Mann von nebenan und hat… Artikel weiterlesen »

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