Berg-Peer Janine 17. April 2012
Mein kleines ostschwäbisches Dorf ist so wie eben ostschwäbische oder andere südliche Dörfer sein müssen. Fachwerk, Gasthöfe zum Löwen, zur Krone, zum Fass Goldene Hängeschilder und ein Markplatz mit diesen unbequemen holperigen Steinen, die einem das Gefühl geben, in einer echten alten Stadt zu sein. Aber nette Leute. Es gibt sogar ein Kino und da lief auch “Ziemlich beste Freunde”. Na also. Aber das war´s dann auch.
Wenn nicht, wenn es nicht die Pizzeria Rostica gäbe. Nach 2,5 Wochen nicht mal schlechtem deutschen Essen (vor allem den Fisch können sie hier wirklich gut machen), habe ich einen tierischen Appetit auf etwas Italienisches. Sträßchen auf, Sträßchen ab laufe ich durch Bad Urach – niemals sonst habe ich mich in den drei Wochen so viel bewegt. Aber mit dem Duft eines Teller Spaghetti Aglio Olio in der Nase wie die berühmte Karotte laufen ich meilenweit.
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Berg-Peer Janine 11. April 2012
Ich hatte ja das leise Vorurteil – schon wieder eins – dass eine Kur ereignisarm sein könnte. Weit gefehlt. Ich werde mit vielen neuen Eindrücken nachhause kommen. Da sind zunächst die modischen Impulse, die ich mitnehmen kann. Sandaletten mit Korkkeilabsätzen, Sandaletten aus Gummi, Sandaletten aus Plastik, Sandaletten, mit braunem Cordstoff bezogen, Sandaletten mit koketten Glitzersteinchen, Sandaletten mit Absatz und ohne, Sandaletten mit Riemchen, Filzpantoffel. Dann die bequemen Halbschuhe aus dehnbarem Stoff zum Schutz des Hallux Valgus und die voluminösen Gesundheitsüberschuhe für die frisch Operierten.

Reisevorbereitung ist heute einfach
Bei den Herren gibt es nicht so eine Vielfalt, aber dennoch gibt es Adiletten in den schönsten Farben, obwohl natürlich dunkelblau mit weißem Streifen vorherrscht. Die eleganteren tragen Clogs in bunten Farben, diejenigen, die mit Gattin erschienen sind, tragen hässliche pantoffelartige Hausschuhe, die mit Sicherheit von der Gattin unter ökonomischen Gesichtspunkten ausgesucht wurden.

Katull und Mandela - Was ich vermisse
Dann die Kleidung: Ich weiß jetzt endlich, wer diese langen, unförmig geschnittenen, mit großen Blumen oder kleinen dunklen Müsterchen bedruckten Blusen aus einer Viskose-Polyestermischung trägt, die es bis Größe 56 gibt und vor denen ich bei C&A oder bei P&C immer nachdenklich gestanden habe. Wer sollte freiwillig so etwas kaufen und dann auch noch tragen? Nun, 85% meiner Kurkolleginnen tun es. Darüber werden gerne Westen getragen, von denen ich gar nicht weiß, wo es die gibt. Artikel weiterlesen »
Berg-Peer Janine 3. April 2012
In meiner Rehaklinik wird an alles gedacht. Nicht nur an den Leib, sondern auch an die Ssähle. Zu Beginn habe ich nicht verstanden, was der junge Mann uns bei der Begrüßungsrede erzählen wollte. Ich dachte, dass es sich vielleicht um eine neue fernöstliche beruhigende Yogatechnik handele.
Aber die befragte Dame neben mir erklärte mir dann: Ha noi, desch ist doch der SSählssorger!
Auf meinen verständnislosen Blick hin fangen die Damen rechts und links von mir an herzlich zu lachen. Ha, ha, ha, der Pfarrer äbe. Da könn Ssie zu ihm in den Gottesdienscht gähe!
Alles klar. Ausland äbe!
Berg-Peer Janine 1. April 2012
Die Thüringer sind ganz anders als die Brandenburger. das merkt man sofort. Alles fährt gemächlich, niemand rüpelt, an der Tankstelle hat eine liebenswürdige Mitarbeiterin Mitleid mit mir. Sie sehen aber müde aus, sagt sie in dem unvergleichlichen Idiom, das ich leider nicht nachmachen kann. Ich nicke erschöpft, stehe vor ihr und weiß nicht, was ich essen oder trinken soll, damit ich nicht die letzten Kilometer bis Meinungen noch endgültig im Auto einschlafe.
Ich mach Ihnen mal das, was ich auch immer nehme, wenn es mir nicht gut geht. Ne schöne Portion Pommes mit Majo rot/weiß und dazu eine gute Tasse Kaffee. Nicht dieses neumodische Zeugs, Espresso und so, nein, richtigen Kaffee. Ich nicke nur müde und falle auf den Plastikstuhl und lege meinen Kopf auf den Resopaltisch. Ich kann nur sagen, es war eine wunderbare Mahlzeit. Artikel weiterlesen »
Berg-Peer Janine 30. März 2012
Schon die Abfahrt war nicht ganz einfach. Oder eigentlich war die Vorbereitung das Schwierigste. Seit einer Woche war meine gesamte Wohnung mit Koffern vollgestellt. Bücherstapel auf dem Boden, alle DVDs durcheinander, das Sofa nicht zu benutzen, weil alle Technik devices dort darauf warteten, in kleine Haushaltsplastikbeutelchen mit Reissverschluss verpackt zu werden, nicht ohne dass eine gelbe Karteikarte mit exakter Beschriftung mit in das Beutelchen gesteckt wurde. Früher, dachte ich mir so, reisten Damen von Welt mit einer großen Hutschachtel und vermutlich einer Reihe von einheimischen Trägern – ich war nur nicht sicher, ob ich in Bad Urach so viele Eingeborene finden würde, die meine vielen Koffer tragen würden.
Heute ist der Technikkoffer der wichtigste. Vor allem, wenn man ein MacbookAir besitzt dass natürlich ein Traum ist, aber es leider notwendig macht, alle devices, die man klugerweise nicht in das Macbook Air gebaut hat, damit es leichter ist, nun in einem Extrakoffer mitführen muss, der deutlich schwerer ist, als es ein MacBook mit etwas mehr eingebauter Technik wiegen würde. Artikel weiterlesen »