Bloggen gegen Alzheimer
Berg-Peer Janine 19. August 2009
In der letzten Woche bin ich 65 Jahre alt geworden und muss ich mich jetzt mit altersgemäßen Themen beschäftigen. Das ist der eine Grund, warum ich anfange zu bloggen. Ich surfe sehr gerne im Internet und dabei fiel mir ein Artikel auf, in dem über die präventive Wirkung von Bloggen gegen Alzheimer berichtet wurde. Sofort habe ich mir diesen Blog eingerichtet – wer wünscht sich schon Alzheimer? Ich fand allerdings auch einen Test, in dem ich überprüfen konnte, wie fortgeschritten oder gefährdet ich bin in bezug auf Alzheimer: Das Ergebnis war beruhigend: Ich bin noch fit und soll mich weiter fit halten. Beunruhigend war allerdings das Ergebnis der Studie zur präventiven Kraft des Bloggens gegen Alzheimer: Die Ergebnisse sind nicht ermutigend, befanden die Forscher. Das wollen wir doch mal sehen: Ich finde, wir Alten sollten beweisen, dass diese Studie nicht Recht hat. Da sollten wir uns doch noch mal das Untersuchungsdesign anschauen. Wir werden bloggen und ich beginne heute damit. Ich hoffe, dass ich damit eine Massenbewegung bloggender Alter ins Leben rufe.
Der zweite Grund fürs Bloggen war ein Artikel im Tagesspiegel, in dem berichtet wurde, dass junge Menschen glauben, uns loswerden zu können, in dem Sie auf dem Rechner die Tasten “Alt” und “Delete” drücken. Ich gebe zu, dass ich ein bisschen verärgert oder eher neidisch war, denn klammheimlich finde ich das ziemlich witzig und habe mich geärgert, dass uns Alten das nicht eingefallen ist. Aber wenn wir uns mehr mit unseren Rechnern beschäftigen und uns weiter im Internet amüsieren, dann wird uns auch etwas ähnlich Heiteres und Gemeines einfallen. Dann können wir zurück schlagen.
Es kommt also nicht darauf an, was wir im Internet schreiben, sondern dass wir schreiben und da wir viel mehr zu erzählen haben als junge Leute, reichen uns die 140 Zeichen bei Twitter nicht, sondern wir benutzen den guten altmodischen Blog. Ich werde also künftig fast täglich meinen Blog schreiben und damit ein virtuelles Tagebuch schreiben. Die Idee ist nicht neu, aber ich befürchte, dass Menschen über 65 unter den Bloggern noch in der Minderheit sind. Das muss geändert werden. Denn wenn auch nicht alle wissenschaftlichen Ergebnisse über das Schreiben im Blog gegen Alzheimer vorliegen, so finden sich doch zahllose Hinweise im Internet darauf, dass Schreiben gegen Depressionen hilft. Und Depressionen gehören wie der graue Star und Hüftgelenksoperationen auch zu den Hässlichkeiten des Lebens nach 65. Es gibt sogar Schreibworkshops gegen Depressionen, die allerdings, ich habe es überprüft, gerne von hübschen, jungen Heilpraktikerinnen oder ebenfalls jungen arbeitslosen Germanisten geleitet werden. Das können wir selbst. Ein kleiner Blog mit www.blogger.de oder mit www.blogspot.de oder auch www.wordpress.com und schon gehts los. Da brauchen wir keinen Workshop.
Ich hoffe, dass meine Initiative viele Nachahmer/innen findet und wir uns gegenseitg bestärken. Unser großes Vorbild, die bloggende Oma Maria Amelia López aus Portugal, lebt leider nicht mehr. Sie starb leider 2006 mit 97 Jahren. So alt wäre sie nie geworden, wenn sie von ihrem Enkel nicht zu ihrem 95. Geburtstag einen Blog geschenkt bekommen hätte. Wir denken an sie und fordern alle Enkelinnen und Enkel auf, daran zu denken, dass wir uns nicht nur über Bilder aus Fingerfarben oder geknetete Tonenten freuen. Ein Blog ist ein sehr passendes Geschenk für eine Oma oder einen Opa.
So viel für heute. Jetzt schreibe ich weiter an meinem Indienbuch. Im November geht es wieder nach Indien. Ich glaube, Reisen hilft auch gegen Alzheimer. Aber darüber morgen mehr.
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