Muskelfaserriß ist aber auch nicht so toll!

Berg-Peer Janine 8. November 2009

Aber das weiss man erst, wenn es zu spät ist.  ”Das kann ja bis zur Amputation  des Fußes gehen”, sagt Dr. T.(Internist) munter und betrachtet mein MRT, “das müssen Sie sofort rauskratzen lassen. Gehen Sie zu Professor N., da würde ich auch hingehen.” Professor N. ist ein renommierter Spezialist für Hüft- und Kniegelenke, soweit ich weiß. Aber ich habe doch in der Wade kein Gelenk?

Professor N. ist ohnehin für mich nicht zu sprechen, weil ich Kassenpatientin bin. Das macht aber nichts, denn vermutlich können seine Ärzte das sowieso besser. “Ich kann Ihnen nächste Woche einen Termin geben.” sagt die Dame am Telefon. “Ich habe jetzt keinen Arzt hier.” Ich dachte, das wäre ein Krankenhaus? “Aber es tut so weh und…” Ich zitiere Dr. T. “Dann müssen Sie eben zur Rettungsstelle gehen, da warten Sie dann.” Ob die bei der Rettungsstelle heute einen Arzt hier haben? Telefonisch ist dort niemand zu erreichen.

Dr. D. (Radiologe, MRT-Spezialist  in Berlin) empfiehlt abwarten, ca. 3 Wochen, dann noch mal ein MRT, dann wieder gucken. Und weiterhn ordentlich Antibiotika nehmen. Dr. H. (Radiologe in München) empfiehlt gleich aufmachen und gucken. Auf keinen Fall Antibiotika. Wofür auch, wenn man ohnehin nicht weiß, was es ist?  Und von “Rauskratzen” könne wirklich keine Rede sein. Was sich Internisten so denken! Man merkt, dass zwischen den medizinischen Fachgruppen durchaus Konfliktlinien bestehen.

3 freundliche Ärzte aus meinem Bekanntenkreis weiter lande ich im Universitätsklinikum und verbringe dort einen langen und ruhigen Tag. 8 Stunden warten für 30 Minuten Arztgespräche, 2 Minuten Blutabnahme und weitere 10 Minuten mit dem Anästhesisten. Das ist ein freundlicher junger Mann, der die Zeit nutzt, um mir seine Lebensgeschichte zu erzählen. Familie geht ihm über alles. Das freut mich und vorsichtig bringe ich das Gespräch wieder in Richtung Narkose. “Sie könnten auch eine lokale Anästhesie….” NEIN!, wenn Sie das versuchen, springe ich Ihnen vom Operationstisch. Er findet eine volle Dröhnung auch besser, aber er muss mir das anbieten. vermutlich ist es auch billiger.

Meine neue Freundin, die die 8 Stunden im Krankenhausflur mit mir verbringt, teilt mir zusätzlich zu ihrer langen und komplizierten Krankengeschichte auch noch mit, dass es abends im Krankenhaus nur eine Sorte Wurst (Putenmortadella) und eine Sorte Käse gibt (Leerdamer). Das findet sie unmöglich und empfiehlt, mir von meinen verwandten Essen mitbringen zu lassen.

Ich dachte, das wäre nur in Indien so? Gibt es  in Deutschland  im Krankenhaus keine Vollverpflegung? Ich bin gespannt. Ob die Verwandten auch wie in Indien auf dem Flur schlafen? Die ganze Familie? Das fände ich nicht so gut, denn Dr. Sch. hat mich schon gewarnt, dass ich auch eine Weile auf dem Flur liegen müsse, denn ein richtiges Bett würde ich erst nach der OP kriegen. Das wird ja dann ein bisschen eng auf dem Krankenhausflur. Und überhaupt, meint Dr. Sch., solle ich keinen Schreck kriegen, denn da wäre viele Menschen, die die Nacht zuvor etwas über den Durst getrunken hätten und gegen harte Gegenstände gefallen seien oder auch Omas, die zuhause umgekippt seien. Bei manchen Mitpatienten gäbe es da so Befindlichkeiten.

Nein, bei mir nicht. Ich stelle mich auf enge Krankenhausflure ein, bitte hiermit alle Freunde, mit gefüllten Tupperwaredosen und Warmhaltebehältern gefüllt mit leckerem Essen zu Besuch zu kommen. Es wird eine spannende Zeit im Krankenhaus, man wird viele neue Frunde finden, wenn man dann Seite an Seite auf dem Krankenhausflur liegt. Ich werde berichten.

Ein Kommentar zum Artikel Muskelfaserriß ist aber auch nicht so toll!

  1. Janine Berg-Peeram 21. August 2011 um 12:58

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