Schreiben macht doch keine Arbeit – aber Störfaktoren ausstellen!
Berg-Peer Janine 8. Januar 2012
Nun sind es noch 297 Tage, es geht also voran. Und wenn man erst mal angefangen hat, dann geht es wunderbar weiter. 15 Seiten in zwei Tagen ist nicht schlecht, oder?
Aber ich muss lernen, mit den Störfaktoren umzugehen. Ein Störfaktor kann zum Beispiel fehlende Milch sein. Ich trinke meinen Espresso einfach nicht gern ohne Milch. Nein, nicht italienisch schick aufgeschäumt, einfach kalte Milch, damit der Doppelte sogleich mundwarm ist und in einem Schluck hinuntergespült werden kann.
Störfaktoren können auch süße Enkeltöchter sein, die Hinweise für eine Arbeit über Effie Briest brauchen. Weitere Störfaktoren sind Kater, die sich quiekend anfauchen und damit darauf hinweisen, dass sie sich vernachlässigt fühlen. Freundinnen, die Kaffeetrinken gehen wollen, schöne Filme aus der Videothek oder auch der eigene Hunger können sich zu Störfaktoren auswirken.
Eigentlich alles. Jetzt verstehe ich, warum die richtigen Schriftsteller (ich bitte, meine Bescheidenheit anzumerken!) eine süßes, ganz einfaches Häuschen in der Toskana, in Irland oder im Périgord haben. Da werde sie nicht abgelenkt, denn alles das, was mich hier ablenkt, räumt dort leise und unbemerkt eine zauberhafte weibliche Person aus dem Wege, ohne sich zu beklagen. Sie tut es gerne. Er braucht es einfach.
Wie gerne würde ich mit Alice B. Toklas jetzt sofort aufbrechen, um mich mit ihr in der Nähe von Toledo niederzulassen, wo sie einen rührenden José anweist, mir Gazpacho zuzubereiten. Ich kenne alle wunderbaren Rezepte aus dem Buch von Alice Truomg “Das Buch vom Salz”, in dem sie das Leben des vietnamesischen Kochs von Gertrude Stein und Alice B. Toklas beschreibt.

Quelle: Amazon
Ich werde so leider nicht schreiben können, aber ich kann mich an diesem wundervollen Text erfreuen. Und leider wird mir auch keine Alice B. Toklas zur Seite stehen.
Aber ich bin eben nicht Gertrude Stein. Leider.
Aber ich schreibe weiter. Wenn man anfängt, dann schreibt es sich so weg. Man mag gar nicht aufhören. Und 300 Seiten minus 82 Seiten sind nur noch 218 Seiten. Nur damit ihr nicht den Überblick verliert.
Und jetzt gibt es wieder einen Störfaktor: Ich muss sofort das Buch vom Salz hervorkramen und heute Abend lesen.
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